Name beliebig, das ist nicht meine Kamera

Während mir gerade auf dem Balkon der Sahara-Staub (..besser wie Saharastaub) um die Ohren fliegt, möchte ich euch an den Displays und Monitoren etwas fragen. Habt ihr euch schon mal was gekauft, was ihr im Nachgang bereut habt? Gut, bereut ist vielleicht übertrieben. Besser wäre, der Kauf war nicht wirklich überlegt und stellt diesen entsprechend in Frage. Ich spreche jetzt nicht von einem Hawaiihemd bei temu, bei dem sich später herausstellt, dass unten links eine tote Möwe zu sehen ist. Nein, monetär betrachtet, geht es um viel!

Meine neue fernöstliche Liebe, der Nikon Z7 II. Das Teil ist technisch perfekt, die Bildergebnisse brillant und ich kann mit der Kamera Nägel in die Wand schlagen. Alles gut. Dazu das 35 mm Objektiv f1.8 S! Wirklich alles gut. Wo liegt also das Problem? Hier muss ich kurz in die Vergangenheit springen. Eine gute, alte Freundin, sagte mal zu mir, ich zitiere: „Stefan, das ist nicht mein Haus“.! Und genau das Gefühl, habe ich, jetzt in Bezug auf die Nikon auch. Dennoch möchte ich weiter fotografieren, eine Lösung muss her!

Meine Art in der Fotografie liegt im Abbilden von tagtäglichen Situationen auf den Strassen der „Welt“. Neuzeitlich nennt man das Streetfotografie. Toll! Ein englisches und deutsches Wort in einem. Korrigiere. Streetphotography bzw. Strassenfotografie. Ich habe heraus gefunden, dass man hier unauffällig an die Dinge heran gehen muss. Klein, lautlos, aus dem Verborgenen entstehen die besten Bilder. Nicht die Situation stören, sie gewähren lassen, den Augenblick einfangen, welcher nie wieder eintreten wird. Mit einer Nikon und dem mächtigen Objektiv nicht ganz so leicht. Beispiel? Gestern zog ich damit durch die Strassen meines Wohnorts. Fototechnisch bietet dieser nichts. Gar nichts. Keine Altstadt mit Märkten, wirklich nix! Aber ich sehe die Berge und der Steuersatz ist niedrig. Ich laufe also an einem Dönerladen vorbei und schon springt dessen Besitzer mit den Worten „Ahhh, Fotoshooting“ heraus! Ich grinse und gehe weiter. Im Nachgang noch der Gedanke in mir, dass vielleicht ein Gratis-Döner drin gewesen wäre, hätte ich den Mann fotografiert. Mit dem Nikon-Set fällt man eben auf wie ein bunter Hund. Ein bunter Hund mit Kamera. Zwar einen solchen noch nie gesehen, aber egal!

Ich bin ein Mensch, welcher lösungsorientiert handelt. Gut, nicht immer, aber oft. Ich bin mit der Nikon, in meinem Anforderungsprofil nicht zufrieden, also was wäre die Alternative? Ich kann euch jetzt einige technische Begrifflichkeiten nicht ersparen. Aber dieser Artikel dient nicht nur euerer Unterhaltung, sondern meiner Entscheidungsfindung.

Klein, im Sinne von unauffällig, leistungsstark und robust. Für mich gibt es da nur zwei Anbieter. Fuji (Japan) und Leica (Deutschland). Klar gibt es noch weitere Hersteller, aber ich möchte, bzw. will mich auf diese beiden konzentrieren. Fuji bietet für meine Zwecke „nur“ einen APS-C Sensor an, welcher ungefähr 23,5 x 15,6 mm entspricht. Leica bietet nur Vollformat an, also 36 x 24 mm. Also dem Format, welches 1914 von einem gewissen Oskar Barnack erfunden wurde. Er war Entwickler bei der Firma Leitz, also Leica. Kurz darauf folgte die Ur-Leica, dann die Leica 1, welche 2025 für rund 7.2 Millionen Euro den Besitzer gewechselt hatte. Die technischen Vorteile bzw. die Nachteile von Sensorgrössen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Grundsätzlich gilt aber, je grösser, desto besser!

Modelle? In Frage käme auf Seite Fuji die x100V VI. Fest eingebautes Objektiv mit 23 mm Brennweite, welche kleinbildäquivalent 35 mm entspricht. Genau mein Ding! Eine Bedienung auf Basis alter Zeiten. Genial! Normalerweise verzichte in in meinen Artikeln auf Angabe von Preisen. Aber in diesem, gilt es eurer Information und meiner Entscheidungsfindung. Die Fuji kostet rund 1`600.00 CHF. Würde ich meine Nikon also verkaufen, wäre durchaus die 100V drin. Was mich nicht ganz so überzeugt, ist die Tatsache, dass die VI gegenüber deren Vorgänger, der V, einen 40 Megapixel erhielt. Das fest eingebaute Objektiv blieb jedoch das Gleiche. Kann das gut gehen?

Ein weiteres Modell von Fuji, die xPro 3 (Kleinbildformat) ist nicht mehr verfügbar. Glaubt man die Spekulanten im Netz, sollte deren Nachfolger im Herbst 2026 die Bühne betreten. Vorteil gegenüber einer X100, wäre die Nutzung von Wechselobjektiven. Also Objektiven, welche die volle Bandbreite des Sensors nützen könnten. Zur Markteinführung schätze ich den Preis auf 1`800.00 CHF, dazu das Objektiv (23 mm, f1.4) mit rund 800.00 CHF. In der Summe also geschätzt 2`600.00 CHF. Wobei das Objektiv schon ganz schön wuchtig ist.

Wir wechseln den Kontinent und landen in Europa, und hier genau in Deutschland. LEICA. Selbst wenn jemand absolut nichts mit Fotografie am Hut hat, den Markennamen kennt man. In Frage kämen Modelle aus der Q- und M-Reihe. Die aktuelle Q3 bietet ein fest installiertes Objektiv mit 28 mm oder 43 mm an. Beide generieren geniale Bildwinkel. 28 mm ist übrigens die meist genutzte Brennweite weltweit. Warum? Das iPhone verwendet diese! Würde ich eine Q3 wählen, dann aber mit 43 mm. Diese kostet zur Zeit 6`750.00 CHF. Also rund viermal so viel wie eine Fuji x100V VI. Klar, die Qualität ist viel höher, damit die Lebensdauer und die Wertbeständigkeit. Dennoch!

LEICA M. Wohl kaum eine Kamera polarisiert mehr. Und auch keine Kamera fasziniert mehr. Konzentration auf das Wesentliche! Kein Autofokus, keine Programm- bzw. Blendenautomatik. Video und Klappdisplay Fehlanzeige. Fokussiert wird mittels Messsucher! Blende (… wie viel Licht kommt auf den Sensor) und Belichtungszeit (… wie lange kommt das Licht auf den Sensor) werden manuell eingestellt. Eine Zeitautomatik unterstützt bei Bedarf. Konzentriert hat sich LEICA auch auf den Preis. Den darf man nicht hinterfragen. Entweder man kann sich eine M leisten, oder eben nicht. Nachstehend die Gehäuse-Preise (… noch kein Objektiv) der aktuellen Modelle (60 MP Sensor)

  • M11-D 9`350.00 CHF| Merkmal: u.a. KEIN Display
  • M11 Monochrom 9`450.00 CHF | Merkmal: u.a. nur Schwarzweiss-Fotos
  • M11 8`750.00 CHF | Merkmal: „Standard-Modell“
  • M11-P 8`950.00 CHF | Merkmal: u.a. ohne auffälligen, roten LEICA-Punkt

Schon eine recht seltsame Preisgestaltung. Man bezahlt mehr, bekommt dafür aber auch weniger. Genial!

Die Objektive, welche aufgrund der fehlenden Autofocus-Motoren recht klein ausfallen, überzeugen natürlich über eine herausragende Abbildungsleistung. Gebrauchte, wenn auch sehr teuer – ach was -, gibt es eine Menge auf dem Markt. Seit 1956 ist das M-Bajonett übrigens unverändert. Könnte also ein Teil aus meinem Geburtsjahr (1965) verwenden! Starten würde ich jedoch mit einem f2.0/35 mm oder f1.4/50 mm. Das sind die „Günstigsten“ im Sortiment. 2`650.00 CHF bzw. 3`850.00 CHF würden über die Ladentisch wandern. Bevor ich die Gesamtsumme bilde, brauche ich zwecks den Nerven, eine Zigarette und nen Kaffee.

Weiter geht es. Meine Favoriten wären die M11-P und das f2.0/35 mm. Macht zusammen 11`600.00 CHF. Schluck!!! Dafür bekomme ich 1.7185 mal die Q3 43 oder 7.2500 mal die Fuji x100V VI oder 4.4615 mal den Nachfolger der Fuji xPro 3. M wie Mir wird schlecht! Raus aus meinen Gedanken?

Ich habe eingangs geschrieben, dass dieser Artikel auch der Entscheidungsfindung meinerseits dienen solle. Und hat es geholfen? Nein! Weiss so viel wie vorher. Kein klarer Favorit. Klar, die nackten Zahlen betrachtend, würde die Entscheidung leicht fallen. Aber wäre dann die „Auserwählte“ nicht eine „zweite“ Nikon? Sozusagen ein Notnagel?

Die Entscheidung muss noch warten. Klar, könnte ich jetzt rund 7 Monate keine Miete mehr bezahlen und die LEICA M mit Objektiv posten (…schweizerisch für kaufen), aber wäre mein Vermieter damit glücklich? Bezüglich der Nikon ist bereits die Entscheidung gefallen. Ich werde das System verkaufen. Und zwar noch in diesem Monat. Denn je länger ich warte, umso weniger bekomme ich dafür. Dann folgt wohl eine längere, kamerafreie Zeit. Diese werde ich durchstehen, zumal ich den Herbst (Nachfolger Fuji xPro 3?) abwarten möchte.

Noch ein paar Anmerkung zum Schluss. Technisch gesehen ist die Nikon die bessere von allen. Zig Einstellmöglichkeiten, Automatikfunktionen und ein blitzschneller Autofokus. Aber ich will Situationen auf meinen Bildern festhalten. Das ist mein Anspruch. Und jetzt mal ehrlich. Das Leben ist nicht immer scharf und brillant in seinen Farben. Nicht selten, stellt es sich auch als „verrauscht“ dar. Ich brauche nicht die Unmengen an Knöpfen und Einstellmöglichkeiten. Ich will verdammt nochmal, möglichst unauffällig ein Bild machen. Und da wären wir wieder bei der LEICA M….

Sehr geehrter Herr Vermieter

Mit diesem Schreiben möchte ich Sie darüber in Kenntnis setzen, dass ich für die nächsten 7 Monate keinen Mietzins mehr leisten werde. Ich weiss Ihr Verständnis für diese Massnahme meinerseits zu schätzen und verbleibe mit den besten Grüssen.

Stefan Angermann

Euer Stefan

 

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